Blick ins Buch auf Seite 324

GIST - eine seltene Krebskrankheit

Unter allen bekannten Krebsarten gehört GIST, der gastrointestinale Stromatumor, zu den seltenen Krebserkrankungen. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 1000 bis 1500 Menschen neu an GIST. Die Zahlenangaben in verschiedenen Quellen schwanken leicht, liegen aber immer in diesem Bereich. Die ungeliebte „Chance” an GIST zu erkranken liegt damit etwa 10 mal höher, als einen Millionengewinn im Lotto zu erzielen, denn im Jahr 2015 zum Beispiel gab es 115 neue Lotto-Millionäre. Und trotzdem hoffen alle diese Lottospieler, Millionär zu werden und ahnen dabei nicht, dass ihre Chance, an GIST zu erkranken vielfach höher ist. Und die „Chance”, eine weniger seltene Krebserkrankung zu bekommen, liegt noch etwa 100 mal höher. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie Ihre GIST-Erkrankung vor dem großen Lottogewinn bekommen haben. Aber trotz der geringeren Chancen gönne ich natürlich jedem von Ihnen, wenn Sie Lottospieler sind, einen schönen Gewinn. Denn auch wenn die Chancen sehr gering sind, trifft es ja doch jede Ziehung immer einige Mitspieler, die vielleicht nicht gleich Millionär werden, aber doch ein hübsches Sümmchen einstecken.

Noch bis in die 1970er Jahre war die allgemeine Meinung unter den Krebsforschern, dass (fast) alle Krebsarten durch Viren ausgelöst werden. Damals hoffte man daher noch, eines Tages einen wirksamen Impfstoff oder eine antibakterielle Therapie entwickeln zu können und damit dem Krebs den Garaus machen zu können. Erst gegen Ende der 70er Jahre setzte sich dann aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse die wenig erfreuliche Erkenntnis durch, dass der Krebs aus körpereigenen Zellen mit veränderten Genen entstand. Man nannte diese Gene Proto-Onkogene. Das sind Gene, die bei einer Veränderung (Mutation) Krebs auslösen können, weil sie von Natur aus für das Wachstum der Zelle, deren Teilung oder den Zelltod verantwortlich sind und bei einer Veränderung eben ungebremstes Wachstum, dauernde Teilung oder ewiges Leben der Zellen bewirken können. Der Krebs lauert also in jedem Körper in diesen Proto-Onkogenen und wartet nur darauf, ausgelöst zu werden. Auslöser können Viren sein, aber auch Umwelteinflüsse wie Strahlen oder chemische Stoffe. Einer der am leichtesten zu vermeidenden Krebsauslöser für Lungenkrebs ist der Zigarettenrauch. Etwa 16 % aller Krebsfälle weltweit werden durch Infektion ausgelöst. Die vier gefährlichsten Erreger sind das humane Papillomavirus (HPV), die humanen Hepatitisviren B (HBV) und C (HCV) sowie das Magenbakterium Helicobacter pylori. Unser Immunsystem kann diese Erreger nicht wirksam bekämpfen, sie verbleiben lebenslang im Körper, und so kann es noch nach vielen Jahren oder auch Jahrzehnten zu einer Krebserkrankung kommen, wenn diese Viren eine Chance wittern, weil zum Beispiel unser Immunsystem durch Stress oder Krankheit schon vorgeschwächt ist. Wenn ich hier übrigens von humanen Viren schreibe, meine ich das im medizinischen Sinne (auf den Menschen bezogen) und nicht im philosophischen Sinn von menschlich, denn diese Viren sind nun alles andere als menschlich zu uns.

Hier kam dann Leslie Lamport ins Spiel. Er entwarf das LaTeX-System, ein Softwarepaket, das die Benutzung von TeX deutlich vereinfachte, da es die kryptischen TeX-Anweisungen durch verständliche Makros (auch Befehle genannt) ersetzte. Durch Aufruf eines kurzen Makros wird ein Befehl ausgelöst, der eine mehr oder wenige große Anzahl von TeX-Anweisungen ausführte, um die sich der Anwender jetzt nicht mehr im Einzelnen kümmern musste. Ein Befehl in LaTeX beginnt immer mit einem Backslash ≫\≪ und kann weitere {Parameter} und [Optionen] enthalten. Pflichtangaben werden in geschweiften Klammern angegeben. Optionale Angaben erkennt man an den eckigen Klammern. Während die Angabe von Optionen, wie der Name schon ausdrückt, erfolgen kann oder auch nicht (die Angabe ist optional), ist die Angabe von erforderlichen Parametern zum Befehl Voraussetzung für die korrekte Ausführung des Befehls.

Cajal und das Bauchgefühl

Im Jahr 1911 entdeckte der spanische Histologe und spätere Medizin-Nobelpreisträger Santiago Ramón y Cajal einen neuen Zelltyp im menschlichen Gewebe. Er gab diesem Zelltyp den Namen interstitielle Cajal-Zellen. Eine Verbindung zu unserer Krankheit gab es damals noch nicht. Rund hundert Jahre später nimmt man heute an, dass der GIST aus den Vorläuferzellen dieser Cajal-Zellen entsteht. Die Cajal-Zellen sind spezielle Muskelzellen, die unabhängig von äußeren Reizen durch Nerven Muskelkontraktionen auslösen können und zum Beispiel für die Verdauungsbewegungen von Speiseröhre, Magen und Darm sorgen. Sie bilden untereinander neuronale Netzwerke, wie wir sie aus dem Gehirn kennen und sind vergleichbar mit dem Schrittmachersystem des Herzmuskels, der sich auch ohne äußere Anregung ständig zusammenzieht und wieder streckt. Und genau dort, wo wir die Cajal-Zellen finden können, kann auch der GIST entstehen.

Die Cajal-Zellen und ihr neuronales Netzwerk zwischen den Muskelsträngen des Verdauungstraktes bezeichnet man auch als enterisches Nervensystem oder umgangssprachlich auch als Bauchhirn. Wenn Sie jetzt daran denken, dass man manchmal davon spricht, eine Entscheidung „aus dem Bauch heraus” statt aus dem Kopf zu fällen, liegen Sie richtig. Einige Wissenschaftler vermuten, dass es einen Informationsaustausch zwischen dem Gehirn und dem enterischen Nervensystem gibt und diesem Austausch eine gewisse Rolle bei sogenannten „Bauchentscheidungen” zukommt. Im Jahr 1973 wurde ein kleiner Einschlagkrater auf dem Mond zu Ehren von Cajal durch die Internationale Astronomische Union (IAU) in Cajal umbenannt. Der Krater im nördlichen Teil des Mare Tranquillitatis hieß vorher „Jansen F”.

Der GIST bekommt einen Namen

Die Krebserkrankung, die wir heute als gastrointestinaler Stromatumor (GIST) bezeichnen, wurde erstmals 1941 als „mesenchymale Tumore des Verdauungstraktes” beschrieben. Mit dem Fortschritt in der Entwicklung immer besserc-Kit Rezeptor auflösender Elektronenmikroskope und der Sichtbarmachung der veränderten Zellen wurde für diese Krebsart dann 1983 durch Mazur und Clark der Begriff der „stromalen Tumore” oder der „gastrischen Stromatumoren” eingeführt und diese bis Mitte der 1990er Jahre den glattmuskulären Tumoren zugerechnet. Je nach Erscheinungsbild wurden Sie als Leiomyome, Leiomyosarkome, Leiomyoblastome oder auch als „unklare mesenchymale Tumore, nicht näher zu klassifizieren” eingestuft. Als eine spezielle Krebsart und als eigenständige Krankheit, die auf herkömmliche Therapien wie Bestrahlung oder Chemotherapie nicht wirksam anspricht, ist GIST erst seit 1998 bekannt, nachdem man an den gastrointestinalen Stromatumoren die Expression von KIT (CD 117) Rezeptoren nachgewiesen hat. Jetzt konnten GIST deutlich von anderen Weichteilgewebstumoren abgegrenzt werden. Gastrointestinale Stromatumore entwickeln sich aus anderen Zellen, als zum Beispiel Magen- oder Darmkrebs. Erst jetzt kamen die 1911 von Cajal entdeckten Zellen wieder in den Fokus der Pathologen und wurden mit dem GIST in Verbindung gebracht. Viele Patienten waren vor dieser Erkenntnis dem GIST hilflos ausgeliefert, da alle Versuche, ihn mit herkömmlichen Therapien zu behandeln, fehlschlugen. ... (weiter im Buch "GIST, Gene und Mutationen".