Die blaue Bank -
36 Kurzgeschichten die das Leben schrieb
über mein Leben ab der Mitte des letzten Jahrhunderts bis in die heutige Zeit mit der Flucht nach Westberlin, der Lehre als Radio- und Fernsehtechniker und der Zeit bei der Bundeswehr sowie über mein späteres Arbeitsleben.

 

Buchinformation

Taschenbuch: 404 Seiten
Verlag: Books on Demand
1.Auflage Oktober 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3744890441
Format A5: 14,8 x 2,5 x 21 cm
Manchmal geht es ohne Glück nicht weiter: Wenn Du schon als kleines Kind "den Westen" nur knapp erreichst. Wenn Du als Soldat versehentlich auf dem übungsziel einer Luftwaffen-Schießübung sitzt. Helmut Gohlisch breitet ein buntes, oft lustiges, nur selten trauriges Panorama seines Lebens aus. Wer sich für das Leben im Deutschland der Nachkriegszeit interessiert, der wird hier viele hübsche Anekdoten und Begebenheiten finden. Wer zudem von den Kindertagen der Computertechnik, von treuen VW Käfern, von einem Starfighter im eigenen Garten und anderen kuriosen Dingen aus erster Hand erfahren möchte, der sollte dieses Buch unbedingt lesen.

Umschlagrückseite, Dr. Uwe Wolter, Oktober 2017


Auszug aus dem Kapitel „Die Lady flippert wieder"

Die ruhigen zwei Jahre zwischen 2014 und 2016 in meinem Bauch gaben mir dann auch Gelegenheit, mich wieder ein wenig kreativ zu beschäftigen. Da stand bei Marlies im Keller seit über dreißig Jahren ein Flipperkasten, der aber leider nicht mehr funktionierte. Solche Spielautomaten fand man früher fast in jeder größeren Kneipe und in den Spielhallen. Man konnte an diesen Flippern zwar kein Geld gewinnen, aber es machte einen Riesenspaß, die Kugel möglichst lange auf dem Spielfeld herumrollen zu lassen, bevor sie dann irgendwann doch zwischen den beiden Flipperfingern im Aus verschwand. Mit Glück, Geschicklichkeit und schneller Reaktion auf die extrem schnell rollende Kugel konnte man bei Erreichen einer genügend hohen Punktzahl ein Freispiel erhalten.

 

Der spanische Hersteller Recel hatte das Modell „Lady Luck” genannt. Gebaut wurde der Flipperkasten 1976 und zählt zu den schnellsten mechanischen Pinballs, wie die Flipperkästen auch genannt werden. Der Flipper hatte außer einer Soundplatine noch keine Elektronik an Bord. Der Rest war Mechanik, viele Relais und Motoren. Und jede Menge Draht. Ich weiß nicht, ob junge Leute heute so ein tolles Gerät noch kennen und ob es die immer noch in irgendwelchen Gaststätten oder Spielhöllen gibt. Meist sieht und hört man nur noch von den elektronischen Geldspielautomaten mit drehenden Scheiben oder Walzen. Ich habe dann mal das gemacht, was ansonsten die Chirurgen mit mir gemacht haben – ich habe mal in den „Bauchraum” schauen wollen, ob da noch was zu retten ist. Vielleicht war der Patient ja doch noch nicht verloren. Als Hilfsmittel habe ich aber kein Skalpell bereitgehalten, sondern Messgerät und Lötkolben. Auf die Narkose hatte ich auch verzichtet. Ich dachte mir, es reicht, wenn ich sicherheitshalber den Netzstecker aus der Steckdose ziehe, damit der Patient nicht noch elektrisch zurückschlägt.

 

Aber wie sollte ich den Flipperkasten überhaupt öffnen? Erst dachte ich, man käme von der Unterseite heran. Aber da war weder eine öffnung zu sehen, noch Schrauben, die man hätte lösen können. Und oben war eine Glasplatte überFlipperkasten Lady Luck der Spielfläche, die man anscheinend auch nicht entfernen konnte. Es war jedenfalls nichts zu sehen. Durch die kleine öffnung der Kassentür konnte man auch nicht an die einzelnen Teile gelangen.

 

Ich habe dann im Internet nach einer Antwort gesucht. Aber bevor die kam – danke trotzdem an die Helferlein – wusste unser Sohn Bescheid, den ich zwischenzeitlich angerufen hatte. Es war ganz einfach. Man musste die Kassentür an der Vorderfront öffnen, konnte dann mit der Hand durchgreifen und oberhalb der Kassentür einen Hebel lösen, der die Metallblende vor der Glasscheibe freigab. Kam mir so ähnlich vor, wie das öffnen des Motorraumes eines Autos. Nach Abnehmen der Blende konnte ich dann die dicke Glasscheibe – musste in einer Kneipe sicher einige kräftige Schläge aushalten können – herausziehen und danach dann die Spielplatte nach oben klappen, um an die Mechanik und Elektrik des Flipperkastens zu kommen.

 

Es hat dann schon ein paar Tage gedauert, bis der Flipperkasten tatsächlich wieder funktionierte. Erst musste ich einen Gleichrichter im Netzteil tauschen, danach leuchteten die meisten Lämpchen wieder und das Ding ratterte sogar ein wenig vor sich hin. Das Austauschen der Lämpchen erfordert auch etwas Fingerfertigkeit, ist aber immer noch deutlich einfacher, als der Lampentausch beim „Elch” – Entschuldigung, ich meinte natürlich den Mercedes A1 (das war eine andere Geschichte). Dann funktionierte aber das Zählwerk noch nicht richtig und Bonuspunkte wurden auch falsch gezählt. Letztendlich war das aber nur ein Kontaktproblem, dass sich mit feinem Schmirgelpapier lösen ließ. Das Gerät stand wohl zu lange herum und die Kontakte bei so einem Mechanik-Flipper sollten schon regelmäßig in Betrieb genommen werden, damit sie sich selbst reinigen. Was ich aus dem Flipperforum gelernt hatte, ist unbedingt zu beachten: Niemals mit Kontaktspray arbeiten, sonst verbrennen die Kontaktflächen oder der ganze Flipperkasten geht in Flammen auf.

 

Da ich den Flipperkasten schon mal offen hatte, habe ich bei der Gelegenheit auch alle Gummiriemchen ausgetauscht und die Spielfläche poliert. Auch die Stahlkugeln habe ich im Zuge der Instandsetzung ausgetauscht. Die LADY LUCK besitzt zwei davon. Eine ist die normale Spielkugel. Die zweite sitzt in einer kleinen Rollbahn hinter einem beweglichen Bügel. Trifft die Spielkugel genügend schnell auf den Bügel, wird die zweite Kugel auf der Rollbahn gegen einen Kontakt „geschossen” und die große Glocke im Flipperkasten ertönt und der Zählerstand erhöht sich um 50.000 Punkte.

 

Wenn man 300.000 Punkte erreicht, zeigt eine rote Lampe an, dass man einen Zusatzball bekommt. Das heißt, wenn die Spielkugel ins AUS geht, wird sie wieder ins Spielfeld geworfen, ohne dass der Ballzähler erhöht wird.

 

Die Lady Luck ist einem Kartenspiel nachempfunden. Wenn man die Kontakte ASS, KöNIG, DAME, BUBE und ZEHN mit der Spielkugel in beliebiger Reihenfolge „abgeschossen” hat und der Bonuszähler auf 100.000 Punkten steht, leuchtet eine gelbe Lampe auf und man hat die Chance, beim nächsten 50.000er Treffer (Glockenton) ein kostenloses Zusatzspiel zu bekommen.

 

Zum Glück gibt es noch ein paar Händler in Deutschland und Amerika, die auch für diese alten Geräte noch Ersatzteile anbieten. Seitdem flippert die alte Lady wieder, wie in ihrer Jugendzeit. Manchmal ist die Spielkugel so schnell, dass man kaum eine Chance hat, diese vor dem AUS abzufangen. Da bleiben das Hirn und die Finger beweglich. Im Internet habe ich ein Video der LADY LUCK eingestellt. Dort kann man erkennen, wie schnell die Kugel manchmal werden kann.

 

Da ich nun so viel Spaß mit der wieder funktionierenden Lady Luck hatte, bekam ich auch etwas Angst, was passiert, wenn mal ein Motor oder Relaismodul defekt wird und ich es nicht wiederbeschaffen kann. Ich hatte mich schon in der Reparaturphase viel in entsprechenden Foren informiert und dabei auch Vorschläge gefunden, einen solchen Flipper rein elektronisch nachzubauen. Das wäre natürlich eine tolle Sache. Keine Mechanik, die verschleißen kann und alles andere sind elektronische Standardteile – zumindest noch ein paar Jahre, hoffe ich.

 

Zuerst kaufte ich einen defekten Flipperkasten (CAPERSVILLE) über eBay, denn ich brauchte ja ein Gehäuse. Im Flipper-Forum haben es mir einige übel genommen, dass ich das Gehäuse ausgeschlachtet habe und nicht den Versuch einer Reparatur machte. Aber erstens habe ich das gesamte elektrisch-mechanische Innenleben an einen Bastler weiterverkauft, der sich sehr gefreut hat und sogar aus Köln mit seinem Vater zum Abholen kam. Und zweitens wollte ich ja nicht noch einen mechanischen Flipper haben, sondern einen verschleißfreien elektronischen. Ich hätte allerdings auch ein Gehäuse bei einem Tischler nachbauen lassen können. Aber dazu müsste ich ihm eine genaue Zeichnung mit allen Maßen geben und so ein Gehäuse wäre deutlich teurer gewesen, als der komplette defekte Capersville Flipper.

 

Das Gehäuse habe ich dann erstmal gründlich gereinigt, abgeschmirgelt und dann nach Herzenslust angemalt. Meine Frau meint, es wäre mir sogar gelungen, obwohl ich sonst im Haus Pinsel oder Farbe nicht einmal ansehen darf, geschweige denn, damit arbeiten. Meine malerische Begabung hatte ich ja schon im ersten Kapitel bewiesen.

 

Dann brauchte ich einen sehr leistungsstarken PC, denn der gesamte Spielablauf wurde ja auf einem Monitor dargestellt und wer so einen Flipper mal gesehen hat, wie schnell sich da eine Kugel über das Spielfeld bewegt, der kann sich vielleicht denken, welche Rechenpower dazugehört, diese schnellen Spielabläufe auf einem Bildschirm darzustellen. Aber solche Rechner gibt es als sogenannte „Gamer”-PCs ja auch zu kaufen, wenn sie auch nicht ganz billig sind. Weiterhin benötigte ich zwei große Monitore, einmal 40” (101 cm Bilddiagonale) für das Spielfeld und einen Monitor mit 34” (86 cm Bilddiagonale) für die Zählerstandsanzeige und das Rückwandbild. Beide haben ich günstig gebraucht bei Amazon und eBay erworben. Der 40” Monitor war eigentlich ein Fernseher, aber deutlich günstiger als ein 40” PC-Monitor.

 

Und für die Darstellung der Anzeige moderner Spiele besorgte ich aus Amerika noch ein Dot Matrix Display (DMD) mit einem Punktraster von 128 x 32 Leuchtpunkten. Dieses baute ich unter den Rückwandmonitor ein.

 

Nun fehlte noch eine Handvoll Taster für „Bezahlen”, „Starten” und „Spielende” sowie die beiden Flipperknöpfe. Außerdem ein kleines Arduino Microkontrollerboard, welches aus den verschiedenen Tastendrücken die Befehle für das Spielprogramm machte. Um das Spielgefühl echt erscheinen zu lassen, sollten natürlich auch ein paar Effekte des mechanischen Flippers nachgeahmt werden. Ich besorgte einige große Schaltschütze, die richtig Krach machen und das Anstoßen der Kugel an den Bumpern auf dem Spielfeld nachahmen. Dieses Zubehör bekommt man im einschlägigen Flipperhandel oder auch in Elektronikläden. Außerdem beschaffte ich aus Zypern eine große Glocke für den Originalton, wenn man die 50.000 Punkte erhielt. Der Ton aus der Soundkarte des PC klang mir nicht echt genug. Nirgendwo anders konnte ich so eine tolle Glocke bekommen. Früher hing so etwas ähnliches fast über jeder Haustür. Der Beschaffungsaufwand hat sich aber gelohnt. Das Ertönen der großen Glocke könnte von der Soundkarte nicht annähernd so echt wiedergegeben werden.

 

Ja, und nun fast das Wichtigste. Das Spielprogramm. Und jetzt das Schönste. Diese bekommt man kostenlos im Internet. Da gibt es viele Pinball-Freaks, die sich aus Spaß an der Freude daran gemacht haben, real existierende Pinballs als elektronisches Programm nachzuempfinden. Als Mitglied in den entsprechenden Foren kann man sich diese Programme kostenlos herunterladen und auf seinem eigen elektronischen Flipperkasten installieren. Mein Flipperkasten läuft übrigens mit dem Betriebssystem Windows 7, da es im Vergleich zu nachfolgenden Windows Versionen deutlich schlanker und schneller ist. Und ein ganz großer Vorteil gegenüber meiner alten Lady Luck ist, dass ich auf dem PC jede Menge verschiedene Flippermodelle simulieren und einfach per Tastendruck auswählen kann. So habe ich auf meinem Gerät fünfzig verschiedene Flipperversionen installiert. Natürlich auch Lady Luck, so dass bei einem Ausfall der alten Lady einfach auf dem Elektronik-Flipper weitergespielt werden kann.

 

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Feature-1

GIST Patientengruppe Hamburg

Die GIST-Patientengruppe Hamburg setzt sich zusammen aus GIST-Patienten und deren Angehörigen. Der Zusatz ”Hamburg” ist dabei nicht wörtlich zu nehmen, da wegen der geringen Anzahl Betroffener nicht überall GIST-Betroffene eine eigene Gruppe bilden können. In unserer Hamburger Gruppe kommen die Mitglieder auch aus Niedersachsen, Bremen und Schleswig Holstein.

Ich bin dieser Gruppe Mitte 2015 nach längerem Zögern beigetreten, obwohl ich ja schon zehn Jahre GIST-Patient war. Ich verdanke es der Beharrlichkeit meiner Frau, dass ich mich dazu entschieden habe, an dem Treffen am 12. Juni erstmals teilzunehmen. ...

Feature-2

Flucht und Neuanfang

Als ich im vorhergehenden Kapitel über die sinnlose Verschwendung der Farbe durch meinen Bruder und mich schrieb, wobei ich als der ältere wohl die alleinige Schuld trage, erwähnte ich auch die mangelnde Versorgung mit Lebensmitteln. Wir Kinder merkten nichts davon, aber meine Eltern mussten eine fünfköpfige Familie ernähren und erfuhren so täglich, wie schwierig es war, das Nötigste zu bekommen. Es war aber nicht nur die Knappheit der Nahrungsmittel und die 1953 wieder erhöhten Arbeitsnormen, die meine Eltern und die Menschen in der DDR ärgerten. Es war auch das Gefühl der ständigen Beobachtung und die Gewissheit, dass ein falsches Wort zur falschen Zeit am falschen Ort jederzeit einen massiven Eingriff in das Leben bedeuten konnte....

Feature-3

Inferno am Badestrand

... Wir hatten ja nicht viel auszupacken und gingen nach dem Waschen und Zähneputzen gleich ins Bett. An Schlafen war allerdings nicht zu denken, obwohl wir von der langen Autofahrt sicher müde waren. Noch weit bis nach Mitternacht gab es ein Hin- und Herlaufen im Treppenhaus und auf dem Flur und jeden Moment klappte irgendwo eine Zimmertür. Es ging zu, wie in einem Taubenschlag würde man sagen. Gewisse Geräusche aus Zimmern neben, über und unter uns ließen dann einen ersten Verdacht bei mir aufkommen, wo wir gelandet waren. Als der Wecker morgens klingelte, lagen wir schon wach im Bett und hatten kaum ein Auge zu gemacht. Nach dem Waschen und Anziehen suchten wir den Frühstücksraum. Die nette Dame an der Rezeption zeigte uns den Weg und wir landeten in ihrer Küche. ...

 

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